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Der Mann, der Kleinwindräder baut

19. Februar 2014

In der Serie „Wind-Menschen“ stellen wir Ihnen diesmal Walter Hoffmann vor, der in seiner Sondermaschinenfabrik in St. Andrä-Wördern, Niederöstereich, Kleinwindräder der Marke Ecovent baut

Was ist Ihr berufsmäßiger Bezug zur Windenergie?

© Walter Hoffmann

Walter Hoffmann: Ich bin klassischer Maschinenbau-HTL-Techniker und betreibe eine Sondermaschinenfabrik mit 17 Mitarbeitern. Wir bauen Maschinen und Anlagen für die chemische Industrie und für Kläranlagen. Meine Begeisterung für die Windenergie ist auf einer PV-Messe geweckt worden, dort habe ich zum ersten Mal eine Kleinwindkraftanlage gesehen und sofort gewusst, dass ich so etwas haben will. Ich habe recherchiert und Angebote eingeholt, aber weil ich über ein gutes technisches Verständnis verfüge, war ich mit den auf dem Markt befindlichen Lösungen nicht zufrieden.

Und was haben Sie dann gemacht?

Ich habe mich im Selbststudium über die Grundlagen der Windkraftnutzung informiert und im Zuge dieser Recherchen Leo Hollmann kennengelernt. Er ist ein heute 84-jähriger Maschinenbau-Diplomingenieur und hatte früher am Asparner Flugfeld eine Firma, die Sportflugzeuge serviciert hat. Während der ersten Ölkrise in den 1970er Jahren hat er aus einem Sportflugzeug den Propellerregler ausgebaut und damit ein Windrad mit einer aktiven Pitch-Verstellung auf ein Krangerüst gebaut. Dieses Windrad läuft heute noch.

Und was hatte es mit Herrn Hollmann dann weiter auf sich?

Bei seinem ersten Besuch in unserer Firma hat er unser Potenzial erkannt und uns animiert, Windräder selbst zu bauen. Das war allerdings ein langer und mühsamer Weg mit einem dicken Normenheft in der Hand. Ich habe ein ganzes Jahr gebraucht, um mich durchzuarbeiten und musste so einiges an der Anlage nachrüsten. Aber am Schluss haben wir die Genehmigung bekommen, das Windrad auf unserem Firmenhof aufzustellen.

Steht es noch dort?

Nein, schon nach wenigen Monaten hat die EVN angefragt, ob wir unser Windrad im Forschungspark Lichtenegg aufstellen wollen. 2009 wurde es dorthin übersiedelt. Seither haben wir diesen Anlagentyp weiterentwickelt, und wir haben heute eine neue Anlage, kombiniert mit einer PV-Anlage, am Firmengelände stehen. Damit können wir bereits einen großen Teil unserer Energie selber erzeugen. Aber das ist natürlich nur eine kleine Nische in unserem Unternehmen, unser Hauptgeschäft ist der Sondermaschinenbau.

Was kann so ein Kleinwindrad leisten?

An dem sehr guten Standort im Forschungspark Lichtenegg hat unsere Anlage im letzten Jahr 18.000 kWh Strom erzeugt, aber auch an weniger guten Standorten kommen wir auf etwa 12-13.000 kWh im Jahr, erzeugen damit den Bedarf von etwa drei bis vier Haushalten.

Welche Rolle könnte die Kleinwindkraft in einem zukünftigen dezentralen Energieszenario spielen?

Sie könnte eine wesentliche Rolle spielen in der dezentralen Versorgung in exponierten Lagen, wie zum Beispiel in Gewerbegebieten oder in bäuerlichen Strukturen. Wenn man PV- und Windstrom mit Batteriesystemen vernünftig kombiniert, könnte man u.a. an dezentralen Park-and-Ride-Stationen für Elektrofahrzeuge ausreichend Strom zur Verfügung stellen. Interessante Einsatzgebiete sind auch Kläranlagen, die rund um die Uhr Strom brauchen.

Und was ist für die Energiezukunft Ihr persönliches Anliegen?

Wenn wir die Energiewende durchziehen wollen, müssen wir umdenken. Wir müssen unserem Energiekonsum mehr Achtsamkeit entgegenbringen. Damit können wir große Mengen an Energie sparen und die benötigte Energie mit intelligent kombinierten Systemen dezentral erzeugen. Wir praktizieren dies bereits täglich erfolgreich in unserem Betrieb und können das nur weiterempfehlen.

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