Kleine Windkraft – vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger

energie:bau hat exklusiv die ersten Daten zu den besten Anlagen Österreichs

Große Windkraftwerke tragen in vielen Ländern der Welt bereits zu einem erheblichen Teil der Stromproduktion bei. So deckt beispielsweise Dänemark den Bedarf an elektrischer Energie zu 28 Prozent aus Windkraft .¹ Aber auch hierzulande schreitet der Ausbau voran. Das Burgenland wird bereits im nächsten Jahr (rechnerisch) energieautark durch die Kraft des Windes. Die Technik der großen Anlagen ist ausgereift.

Nicht so rosig sah es bisher bei den kleinen Windkraftwerken aus – hierzu zählen Anlagen je nach Betrachtungsweise bis 100kW Generatorleistung. In der Praxis trifft man jedoch auf Anlagen bis etwa 15kW und 20 Meter Turmhöhe, was oft durch rechtliche Rahmenbedingungen begründet ist. Trotz oftmals anders lautender Versprechen der Anbieter, ist die Ausfallsrate der meisten Produkte sehr hoch. Um hier Klarheit zu schaffen, errichtete die EVN im Jahr 2011, unter der damaligen Projektleiterin Lisa Lackner, einen Energieforschungspark an einem windreichen Standort in Lichtenegg. Vor Ort werden seither vor allem Kleinwindräder im längerfristigen Realbetrieb getestet und von unabhängigen Organisationen vermessen.

(c) AEE

(c) AEE

Bei den ganz kleinen Anlagen stellte sich rasch Ernüchterung ein, nicht nur durch den vergleichsweise geringen Ertrag, sondern schlichtweg aufgrund der oftmals baldigen Ausfälle durch diverse Schäden. Allerdings übertrafen dafür drei der größten Anlagen selbst die kühnsten Erwartungen und produzieren mit bis zu 1.700 Volllaststunden erstaunliche Ergebnisse, die bereits an Großwindkraftanlagen heranreichen .² Stromerträge von 17.000kWh sind hier also bereits für Baumeister, Architekten und Gemeinden interessant, die auf den Trend zu energieautarken Objekten aufspringen möchten.

Um jedoch falschen Erwartungen vorzubeugen: Voraussetzung zur sinnvollen Aufstellung ist natürlich eine windstarke Lage, die jedenfalls mit einer seriösen Windmessung geprüft werden sollte. Nicht minder wichtig ist eine geeignete Freifläche am Boden, auf welcher sich ein entsprechend hoher Mast sicher aufstellen lässt. An diesem Mast entstehen hohe Vibrationskräfte, weshalb von der Montage an einem Gebäude – einerseits durch die entstehende Lärmbelastung, andererseits durch die zu erwartenden Schäden an der Bausubstanz – abzuraten ist.
Ist diese feste und windreiche Freifläche aber vorhanden, können gute Kleinwindkraftanlagen (siehe Infobox) zu einem erheblichen Teil der Stromversorgung beitragen. Im Bereich der Wirtschaftlichkeit ist auf künftige Förderungen zu hoffen. Positiv auf die Wirtschaftlichkeit wirkt sich jedenfalls ein hoher, konstanter, Stromverbrauch aus, damit die Windenergie gleich direkt verwendet werden kann und damit den teuren Strombezug aus dem Netz reduziert.

INFOBOX:

Die drei besten Kleinwindräder:

Drei Anlagen haben im Lichtenegger Energieforschungspark die besten Ergebnisse geliefert. Vorgestellt werden hier die unterschiedlichen Vorteile der Anlagenkonzepte:

Eco-Vent:

Technische Daten: Nabenhöhe: 19m, horizontal gelagerter Generator, Flügel: 3, Nennleistung: 10kW, Rotordurchmesser: 8,4m

Vorteile: Produktion komplett in Europa, standardisierte Komponenten, keine Windnachführung notwendig (Lee-Läufer), Volllaststunden-Anzahl kann mit Großwindkraftanlagen mithalten, Zertifizierungen vorhanden, 5 Jahre Garantie.

Homepage: www.eco-vent.at

Easywind:

Technische Daten: Nabenhöhe: 19m, horizontal gelagerter Generator, Flügel: 4, Nennleistung: 6kW, Rotordurchmesser: 6m

Vorteile: Kein Wechselrichter, keine Abschaltung, Vollzertifiziert nach IEC61400-2.

Homepage: www.easywind.de

Schachner:

Technische Daten: Nabenhöhe: 12m, horizontal gelagerter Generator, Flügel: 3, Nennleistung: 4,8kW, Rotordurchmesser: 5,6m

Vorteile: Getriebelose Anlage, keine Windnachführung notwendig (Lee-Läufer).

Homepage: www.kleinwind.at

Statements der Kleinwind-ExpertInnen:

Daniel Reiterer_WindDaniel Reiterer, AEE NÖ-Wien: „Bei der Befestigung von Windkraftanlagen am Dach ist Vorsicht geboten! Abgesehen von statischen Problemen kann es auch zu einer Übertragung von Körperschall und Vibrationen in das Gebäude kommen“

Kathrin_RenzKathrin Renz, IG Windkraft: „Es ist ratsam, da es auch gute Anlagen gibt, über die Ausgestaltung der Förderungen, auch im Bundesländer-Bereich, für Kleinwindanlagen zu sprechen. Eine Voraussetzung für die Förderung sollte eine repräsentative Windmessung sein.“

Florian_ZimmerFlorian Zimmer, Verein Energiewerkstatt: „Zusammenfassend sei gesagt, wer sich derzeit für die Investition in eine  Kleinwindkraftanlage entscheidet, stellt sich nicht die Frage was verdient man damit, sondern welchen Teil kann man zur nachhaltigen und erneuerbaren Energie beitragen.“

¹http://www.ens.dk/en-us/info/news/news_archives/2012/sider/20120924renewablesnowcovermorethan40percent.aspx

²Quelle: Tägliche Mitschrift der Homepage-Ertrags-Werte

Links:

Eine Übersicht über die österreichweiten rechtlichen Rahmenbedingungen finden Sie auf der Webseite der IG Windkraft: www.kleine-windkraft.at.

Das Forschungsenergiepark in Lichtenegg ist erreichbar unter: www.energieforschungspark.at

Quelle Artikel: http://www.energie-bau.at / Lukas Pawek & Michael Sigmund

Advertisements

%d Bloggern gefällt das: